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Innovatives kathetergestütztes Verfahren „LIVE“ zur Behandlung der Herzschwäche nach Herzinfarkt

Erstmals in Deutschland vorgestellt

  • Die anhaltende infarktbedingte Herzschwäche besitzt weltweit eine hohe klinische Bedeutung, typisch sind eine erhöhte Sterblichkeitsrate und wiederkehrende stationäre Krankenhausaufent-halte.
  • Patienten nach einem Herzinfarkt entwickeln trotz leitliniengerechter Herzschwäche-Therapien oft fortschreitende Herzschwäche-Symptome, die auch auf einer Narbenbildung am Herzmuskel be-ruhen können.
  • Die Prognose dieser Erkrankung ist ungünstig: Ca. 50 % der Patienten mit der Diagnose „Herz-schwäche“ versterben innerhalb von fünf Jahren.
  • Die LIVETM-Therapie (Less Invasive Ventricular Enhancement) stellt eine innovative und weniger invasive katheterbasierte Behandlung dar: Die durch den Infarkt entstandene Narbe am Herzmus-kel der linken Herzkammer wird mittels mehrerer Anker gerafft und so vom gesunden Teil des Herzens ausgeschlossen.
  • In Studien konnte gezeigt werden, dass durch die LIVETM-Therapie sowohl die Pumpleistung des Herzens als auch die körperliche Belastbarkeit und die Lebensqualität der Patienten signifikant zunehmen.1
  • Das Verfahren erhielt 2016 die CE-Zulassung in Europa und wird derzeit in der klinischen Studie REVIVE-HF weiter geprüft, um die Wirksamkeit im Vergleich zu einer leitliniengerechten Herz-schwäche-Therapie zu bestätigen.

San Ramon, Kalifornien, 10. Juni 2020 – Nach einem Herzinfarkt stirbt bei vielen Patienten ein Teil des Herzmuskelgewebes infolge mangelnder Durchblutung unwiederbringlich ab. Nachfol-gend entwickeln sich strukturelle Veränderungen des Herzens wie eine Narbe, die sich nicht zusammenziehen kann, sowie eine Vergrößerung der linken Herzkammer; die Folge ist eine an-haltende Herzschwäche. Im Rahmen einer Live-Video-Pressekonferenz präsentierten Professor Dr. med. Stefan Anker, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Professor Dr. med. Andres Beiras-Fernandez und Dr. med. Ralph Stephan von Bardeleben, Zentrum für Kardiologie der Universi-tätsmedizin Mainz, erstmals in Deutschland eine neue Behandlungsmöglichkeit für Patienten nach einem Herzinfarkt. Bei der weniger invasiven LIVETM-Therapie (Less Invasive Ventricular Enhancement) wird vernarbtes Herzgewebe mit mehreren Ankern vom gesunden Herzgewebe isoliert und so die Blutversorgung des Körpers, die Herzschwäche-Symptomatik und die Le-bensqualität der Patienten signifikant verbessert.

„Es hat sich herausgestellt, dass viele Patienten einen Herzinfarkt mit großer Auswirkung auf die linke Herzkammer haben: Etwa jeder zweite Infarkt führt zu einer Größenzunahme um bis zu 19 %“, erläu-terte Prof. Anker. Aktuellen Leitlinien der kardiologischen Fachgesellschaften entsprechend lassen sich drei Formen der Herzschwäche unterscheiden: HFpEF (Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion), HFmrEF (Herzschwäche mit leicht eingeschränkter Pumpfunktion) und HFrEF (Herzschwäche mit re-duzierter Pumpfunktion).

Erweiterte Herzschwäche Therapie – was ist machbar?
Die klassische Therapie der HFrEF besteht in einer optimalen Behandlung mit entsprechenden Medi-kamenten (z. B. Betablocker oder ACE-Hemmer). Lässt der Behandlungserfolg nach, kommen weitere Arzneimittel zum Einsatz; ergänzt wird die Behandlung durch implantierbare medizinische Geräte wie Schrittmacher. Als letzte Möglichkeit müssen ein Kunstherz oder eine Herztransplantation in Betracht gezogen werden. „Die Patienten, die trotz gut eingestellter Therapie weiterhin symptomatisch und kör-perlich eingeschränkt sind, sind Patienten, für die wir alternative Behandlungsmöglichkeiten anstreben“, so Prof. Anker. „Mit dem Revivent TC-System, mit dem die LIVE-Therapie durchgeführt wird, haben wir nun ein interessantes Verfahren zur Verfügung, das uns viele neue Optionen für diese Patientengruppe bietet.“ Dem stimmte auch Dr. von Bardeleben zu: „Die LIVE-Therapie bietet uns die einzige weniger invasive Behandlungsmöglichkeit, die nach einem Infarkt die weitere Vergrößerung des Herzens adres-siert. Das Ankersystem macht eine Remodellierung der linken Herzkammer möglich.“

Bei der LIVETM-Therapie wird das Narbengewebe des geschwächt pumpenden Herzmuskels mittels mehrerer Anker zusammengerafft, um die ursprüngliche Herzform bestmöglich wiederherzustellen. In der Folge nimmt die Pumpleistung des Herzens wieder zu. Es handelt sich um ein Hybrid-Verfahren, das ein Heart-Team, bestehend aus einem interventionellen Kardiologen und einem Herzchirurgen, ge-meinsam durchführt. Der Herzchirurg platziert den äußeren Anker-Teil über eine kleine, ca. 4 cm lange Öffnung am Brustkorb. Den inneren Anker-Teil führt ihm der interventionelle Kardiologe mittels eines Venenkatheters über die rechte Herzkammer zu. Im Anschluss werden beide Anker-Teile zusammen-geschoben und dauerhaft verbunden, sodass das nach einem Herzinfarkt entstandene Narbengewebe des Herzmuskels ausgeschlossen wird. Eine vollständige Eröffnung des Brustkorbs mit Durchtrennung des Brustbeins sowie der Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine ist bei diesem Verfahren nicht notwen-dig – das OP-Risiko für Patienten ist somit im Vergleich zur herkömmlichen chirurgischen Entfernung der Herzmuskelnarbe deutlich geringer.

Welcher Patient ist für die LIVETM-Therapie geeignet?
Für Patienten, bei denen es nach einem Herzinfarkt infolge unzureichender Blutzufuhr zu einer Narben-bildung im Herzmuskel kommt, bietet die LIVETM-Therapie einen innovativen Behandlungsansatz. Bei einem vorgestellten Patientenfall des Mainzer Herzzentrums lag die Narbe im Bereich der Herzspitze und die linke Herzkammer war vergrößert. Der Betroffene zeigte gemäß der Klassifikation einer Herz-schwäche durch die New York Heart Association (NYHA) Symptome der Klasse II bis III (leichte bis starke Einschränkung der Belastbarkeit z. B. durch Atemnot, Ödeme oder Schmerzen im Brustraum bei leichter bis stärkerer körperlicher Belastung).

„Nach dem Eingriff konnten wir bei unserem Patienten mittels einer Röntgenaufnahme des Herzens, einem Angiogramm, zeigen, dass der Totraum in der linken Herzkammer deutlich verringert wurde“, schilderte Prof. Beiras-Fernandez. „Und auch im Herzultraschall ließ sich wieder eine ausgeglichene Aktivität der Herzmuskelwand feststellen. Das ist für Patienten nach einem Herzinfarkt, bei denen sich eine Narbe am Herzmuskel ausgebildet hat, die sich nicht zusammenziehen kann, ein exzellentes Er-gebnis. Die nach dem Eingriff erhobenen Daten zur körperlichen Belastbarkeit und zur Lebensqualität bestätigen den Behandlungserfolg.“ Und auch Dr. von Bardeleben zeigte sich überzeugt: „Die Herz-schwäche bei stattgehabtem Herzinfarkt ist keine Einbahnstraße. Das LIVE-Verfahren verspricht eine gute Lösung für unsere Patienten, wenn kein weiterer Herzinfarkt auftritt. Der Zugang mittels eines Mikrokatheters stellt einen enormen Fortschritt für Patienten dar: Durch die sehr geringe Invasivität kann eine große Operation mit vielen Folgeerscheinungen durch einen sehr kleinen interdisziplinären Eingriff ersetzt werden.“

Weltweit wurden mittlerweile mehr als 230 Patienten mit der LIVETM-Therapie behandelt. Im Jahr 2010 begann die klinische Prüfung des Verfahrens (damals noch am offenem Brustkorb durchgeführt). Ab 2013 wurde die LIVETM-Therapie als Hybrid-Verfahren klinisch geprüft. Im Jahr 2016 erfolgte die CE-Zulassung. In der zulassungsrelevanten Studie wurden z. B. eine Verbesserung der NYHA-Klasse um 30 %, eine Verbesserung des 6-Minuten-Gehtests um 15,8 % und eine Lebensqualitätsverbesserung um 35,8 % gezeigt.1 Seit dem 3. Quartal 2019 läuft in Europa die klinische Studie REVIVE-HF, die das Verfahren nach der Zulassung weiter klinisch prüft und für die aktuell Patienten gesucht werden.

Über BioVentrix
BioVentrix ist ein in Privatbesitz befindliches Medizinproduktunternehmen mit Hauptsitz im kaliforni-schen San Ramon (USA). Die Mission von BioVentrix ist die Verbesserung und Erweiterung der Be-handlungsoptionen für kongestive Herzinsuffizienz (Stauungsherzinsuffizienz) aufgrund von ischämi-scher Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung mit Durchblutungsstörung) durch die Entwicklung we-niger invasiver katheterbasierter Ansätze.

Anmerkungen: Das Revivent TCTM-System ist CE-zertifiziert und für den Verkauf in Europa zugelassen. In den Vereinigten Staaten ist es nicht für den Verkauf zugelassen, dort werden derzeit Patienten in die FDA-Zulassungsstudie ALIVE aufgenommen.

Literatur

1 Patrick Klein, Stefan D. Anker, et. Al: Less invasive ventricular reconstruction for ischaemic heart failure. European Journal of Heart Failure (2019), doi:10.1002/ejhf.1669

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